Archiv der Kategorie: Tipps

TIPP! BLOG

Xinran Mao über Grete Ring und die Kunstkritik

ZI Spotlight, 30. September 2026 | Zentralinstitut für Kunstgeschichte München

Im Mittelpunkt des Beitrags steht Grete Ring (1887–1952), eine der ersten Frauen, die 1912 in Kunstgeschichte promovierten, Schülerin Heinrich Wölfflins und Nichte Max Liebermanns. Als leitende Mitarbeiterin im Kunstsalon Paul Cassirer war sie 1928 an einer aufsehenerregenden Fälschungsaffäre der Zeit beteiligt: Gemeinsam mit Walter Feilchenfeldt zog sie vier Gemälde des Kunsthändlers Otto Wacker kurz vor der Eröffnung einer Van-Gogh-Ausstellung zurück und zweifelte damit die Echtheitsurteile renommierter männlicher Kennerschaft an. Insgesamt 33 fragliche Van Gogh-Werke ließen sich auf Wacker zurückführen.

Autorin Xinran Mao, Praktikantin am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, nimmt Rings Aufsatz Der Kunstliterat (1920) zum Ausgangspunkt, um ihr methodisches Selbstverständnis zu rekonstruieren. Ring argumentierte dort, dass kunsthistorische Begriffe aus den Werken selbst gelesen werden müssten und nicht umgekehrt. Grete Ring, die als Jüdin im zunehmend antisemitischen Deutschland arbeitete und deren Position stets prekär blieb, emigrierte 1938 nach London und übernahm eine führende Rolle bei Paul Cassirer Ltd. Im Jahr 1949 erschien ihr Hauptwerk A Century of French Painting, 1400–1500 bei Phaidon. Der Beitrag macht damit sichtbar, wie sich kunsthistorische Autorität im frühen 20. Jahrhundert gerade in den Überschneidungszonen von Wissenschaft, Kritik, Markt und öffentlicher Debatte herausbildete.

Zum Beitrag: Xinran Mao on Grete Ring and Art Criticism – ZI SPOTLIGHT

TIPP! Call for Paper

10th Feminist Art History Conference

24.–25.09.2027 | American University, Washington D.C. / Online | Eingabeschluss: 15.12.2026

Die American University lädt etablierte und Nachwuchswissenschaftler*innen zur zehnten Ausgabe der Feminist Art History Conference ein. Der offene Call richtet sich an Beiträge zu allen Epochen und Regionen, die untersuchen, wie Geschlechterideologien die bildenden Künste und ihre Erforschung geprägt haben. Erwünscht sind inklusive, intersektionale und interdisziplinäre Ansätze, zum Beispiel zu Künstler*innen und Werken, Institutionen und Diskursen, Sammlung und Patronage, feministischer Historiographie, der Vergeschlechtlichung von Objekten und Medien sowie Fragen von Macht, Geschlecht und Sexualität.

Keynotes: Sherry Farrell-Racette (University of Regina, Kanada) und Melissa Hyde (University of Florida).

Format: Alle Panels online via Zoom, ergänzt durch Aktivitäten vor Ort für lokale Teilnehmende.

Einreichung: Bis 15.12.2026 über das Online-Formular mit Titel, Abstract (max. 250 Wörter), drei Schlagworten, Kurz-CV (max. 2 Seiten, PDF) und einem Bild. Rückfragen an FAHC@american.edu. Weitere Informationen zur Ausschreibung: 10th Feminist Art History Conference (Washington D.C., 24-25 Sep 27) – ArtHist.net: Fachforum der Kunstgeschichte / Archiv

TIPP! Ausstellung

Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet Die Sammlerin und Pionierin Gertrud Dübi-Müller

Gertrud Dübi-Müller (1888–1980) war eine der bedeutendsten Kunstsammler*innen der Schweiz, passionierte Fotografin, Autofahrerin und Bergsteigerin. Sie stand Modell für Ferdinand Hodler, mit dem sie sich besonders verbunden fühlte – er verewigte sie in 17 Bildnissen. Ihr frühes finanzielles Erbe ermöglichte ihr, noch als junge Frau Vincent van Goghs Porträt Charles-Elzéard Trabuc (1889) zu erwerben und darauf eine einzigartige Sammlung moderner Kunst aufzubauen mit Werken von Paul Cézanne, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Gustav Klimt und Henri Matisse.

Die erste umfassende Ausstellung in Basel zeigt rund achtzig Werke aus ihrer internationalen Sammlung sowie eindrucksvolle Fotografien und bislang unveröffentlichte Dokumente. Neben Werken aus dem Kunstmuseum Solothurn werden Leihgaben aus weiteren Schweizer Museen und von privaten Leihgeber*innen gezeigt. Eigene Fotografien, bisher unveröffentlichte Briefe und handgemalte Postkarten von Künstler*innen eröffnen einen intimen Einblick in ihr Leben und Netzwerk.

19.09.2026–07.02.2027 | Kunstmuseum Basel, Neubau | Schweiz

Weitere Informationen unter diesem Link.

TIPP! Call for Paper

Femmes du surréalisme – Frauen des Surrealismus: Archive, Netzwerke und politisches Engagement (1920–1980)

26–27. November 2026, Paris

Diese Tagung markiert den Launch der virtuellen Ausstellung „Simone Kahn, Surrealist Trajectories” am Centre allemand d’histoire de l’art (DFK Paris). Simone Kahn, lange nur als erste Ehefrau André Bretons wahrgenommen, gilt heute als vollwertiges Mitglied der surrealistischen Gruppe. Ihre Archive belegen ihre Präsenz in allen Gründungsmomenten der Bewegung – von kollektiven Aktivitäten bis zum Aufbau der berühmten Sammlung in der 42 Rue Fontaine. Darüber hinaus rekonstruieren sie ihren weiteren Lebensweg: politisch aktiv in der Gauche communiste und später der Gauche révolutionnaire, Mitglied der Résistance und später engagiert für antikoloniale und feministische Anliegen. Künstlerisch wirkte sie als Sammlerin und leitete die Galerien Artiste et Artisan (ab 1948) und Furstenberg (1954–1965), an denen sie den Dialog zwischen Surrealisten der ersten Generation und jüngeren internationalen Künstlern förderte.

Ausgehend davon lädt die Tagung zu einer breiteren Untersuchung der Lebenswege von Frauen des Surrealismus ein, deren Rollen als Sammlerinnen, Galeristinnen, Aktivistinnen, Übersetzerinnen und Netzwerkerinnen sich in der Historiographie oft schwer klassifizieren lassen. Ziel ist es, über die bloße Erweiterung des Künstlerinnen-Kanons hinaus die Kategorien selbst zu hinterfragen, mit denen die Geschichte des Surrealismus geschrieben wird.

Einreichungsrichtlinien Vortragsvorschläge (300–400 Wörter) mit kurzer Biografie bis zum 20. September 2026 an conferencesimonekahn@gmail.com. Vorträge (25–30 Min.) auf Französisch oder Englisch.

Für weitere Informationen zum CFP hier klicken!

TIPP! STUDIE

Benachteiligung von Künstlerinnen auf dem Kunstmarkt

Eine aktuelle Studie untersucht die strukturellen Ursachen der anhaltenden Benachteiligung von Künstlerinnen auf dem Kunstmarkt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Werke männlicher Künstler bei Auktionen weiterhin deutlich höhere Umsätze erzielen und in Ausstellungen häufiger vertreten sind als Arbeiten von Frauen. Die in Nature Communications veröffentlichte Untersuchung basiert auf Millionen Datenpunkten zu den Karrieren von rund 65.000 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern aus mehr als 20.000 Museen und Galerien weltweit.

Besonders hervor hebt die Studie die Bedeutung institutioneller Netzwerke. Demnach ist für den späteren Markterfolg nicht allein das Geschlecht ausschlaggebend, sondern vor allem die Frage, in welchen musealen und galeristischen Zusammenhängen sich eine Karriere entwickelt. Die Analyse zeigt, dass sich männlich und weiblich dominierte Ausstellungsnetzwerke vielfach parallel zueinander ausbilden und ungleiche Sichtbarkeit sowie unterschiedliche Zugangschancen zum Auktionsmarkt verstärken. Damit lenkt die Studie den Blick auf strukturelle Dynamiken des Kunstbetriebs und liefert wichtige Impulse für die wissenschaftliche Diskussion um Geschlechterverhältnisse, Karriereverläufe und Machtstrukturen im Kunstmarkt.

Weitere Informationen zu dem Artikel gibt es unter diesem Link.

Studie veröffentlicht in Nature Communications | Gastbeitrag in der F.A.Z. | 12.08.2026