Schlagwort-Archive: Charlotte Zander

Fremde Welten neu gelesen | Haiti, Jamaika und die Frage nach der „Naiven Kunst“

Charlotte Zander (1930–2014) widmete ihr Leben der Kunst. Seit den 1960-er Jahren baute sie mit großer Leidenschaft eine Sammlung von Werken autodidaktischer Künstler:innen auf, die lange unter dem Begriff „Naive Kunst“ zusammengefasst wurden. Mit der Gründung der Galerie Charlotte – Galerie für naive Kunst in München im Jahr 1971 trug sie maßgeblich zur Sichtbarkeit dieser Kunstform in Deutschland bei. Nach der Schließung der Galerie eröffnete sie 1996 ihr privates Museum im Schloss Bönnigheim, wo sie ihre Bestände präsentierte, Ausstellungen organisierte und internationale Kooperationen pflegte.

So entstand im Laufe von fünf Jahrzehnten eine Sammlung von rund 4.000 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen. Darunter befinden sich 161 Werke von 65 Künstler:innen aus Lateinamerika und der Karibik. Dieser Bestand eröffnet nicht nur einen Blick auf die internationale Reichweite von Zanders Sammlertätigkeit, sondern wirft zugleich Fragen nach jenen Kategorien auf, mit denen außereuropäische Kunst bis heute beschrieben, gesammelt und auf dem Kunstmarkt verhandelt wird.

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Rückblick | Susanne Zander im Gespräch mit Michael Krajewski

Am 5. Dezember 2025 fand in den Räumlichkeiten des ZADIK, in Kooperation mit dem Förderverein Freunde der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln e.V., ein ausführliches Gespräch zwischen Kunsthistoriker Michael Krajewski und Susanne Zander, Galeristin und Geschäftsführerin der Sammlung Zander, statt. Anlass des Abends war die Beschäftigung mit der Sammlung und dem Wirken von Charlotte Zander. Wie entstand ihre über 4.500 Werke umfassende Sammlung sogenannter „Naiver Kunst“? Wie kam es zu der Gründung eines eigenen Museums in Bönnigheim? Und welche wechselseitigen Einflüsse lassen sich zwischen eigenen Galerietätigkeit von Susanne Zander und der Arbeit ihrer Mutter feststellen?

Das Gespräch zeichnete nicht nur die Geschichte einer außergewöhnlichen Sammlerin nach, sondern beleuchtete zugleich die wechselvolle Rezeption sogenannter „Naiver Kunst“ in Deutschland seit den 1960er Jahren. Es widmete sich der Frage nach dem Umgang mit dem Erbe der Sammlung: Wie lassen sich früher sogenannte „naive“ Künstler*innen heute neu kontextualisieren? Und welche Bedeutung hat dabei die Schenkung der einzigartigen Spezialbibliothek an die Kunst- und Museumsbibliothek Köln sowie die Übergabe des Archivs an das ZADIK?

Susanne Zander im Gespräch mit Michael Krajewski am 05.12.2025 im ZADIK
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TIPP! Ausstellung

Charlotte Zander: Sammlerin, Galeristin, Museumsgründerin

Die Sammlerin, Galeristin und Museumsgründerin Charlotte Zander erkannte schon früh den Wert und die künstlerische Relevanz der damals als „Naive Kunst“ bezeichneten Werke von Künstler:innen ohne akademische Ausbildung. Ab den 1960er-Jahren begann sie, eine der international bedeutendsten Sammlungen dieses Bereichs aufzubauen. Aus diesem Engagement heraus gründete sie 1971 die Galerie Charlotte – Galerie für naive Kunst in München, die bis 1995 bestand. Im darauffolgenden Jahr eröffnete sie ihr privates Museum im Schloss Bönnigheim, in dem ihre Sammlung bis 2020 beheimatet war.

Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2014 übernahm Susanne Zander die Verantwortung für die Sammlung, die regelmäßig in Ausstellungsprojekten präsentiert wird. Seit 2021 befindet sich der Archivbestand von Charlotte Zander unter der Bestandsnummer E 9 im ZADIK.

Vom 10. Oktober 2025 bis zum 25. September 2026 präsentiert das ZADIK die Ausstellung „Charlotte Zander: Sammlerin, Galeristin, Museumsgründerin“, die das vielschichtige Leben und Wirken von Charlotte Zander in den Fokus rückt. Wie prägte sie die verschiedenen Rollen, die sie im Laufe ihres Lebens einnahm? Auf welche Weise baute sie ihr Netzwerk zu Künstler:innen und Akteur:innen des Kunstmarkts auf? Welche Kooperationen und gemeinsam realisierten Projekte gingen daraus hervor?

Zugleich lädt die Ausstellung zu einer kritischen Auseinandersetzung mit historischen, oftmals stigmatisierenden Begrifflichkeiten ein. Sie zeigt, wie die Sammlung Zander nicht nur kunsthistorisch bedeutende Werke bewahrt, sondern auch Impulse für die zukünftige Auseinandersetzung mit Kunst jenseits akademischer Konventionen gibt.

Die Vernissage findet am 10. Oktober 2025 um 19:00 Uhr in den Räumlichkeiten des ZADIK im Mediapark 7 statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Interessierte werden gebeten, sich bis zum 6. Oktober per E-Mail anzumelden.

10.10.2025–25.09.2026 | ZADIK | Köln


Im Rahmen der Ausstellung wird vom 6. bis 9. November 2025 eine Sonderschau auf der ART COLOGNE präsentiert.